Sonntag, 23. Februar 2014

"Ob man einen Nachbarn mag oder nicht, merkt man oft erst, wenn der Möbelwagen vor seiner Tür steht"


Das Problem mit meinem neuen Nachbarn ist seine Vorliebe für Drum 'n Bass. Würde er hobby- oder berufsmäßig Flöhe dressieren, würde ich vermutlich nicht mal wissen wie er aussieht.

Der neue Nachbar ist letzten Sommer eine Etage unter mir eingezogen. Schnell war sein Beruf klar: Er ist DJ. Und ein DJ muss üben. Und das tut er nicht wie viele andere richtig guten DJs, mit richtig teuren Kopfhörern. Nein, er lässt jeden in unserer Straße an seinen Übungsstunden teilhaben. 

Anfangs war ich noch verständnisvoll. Schließlich war ich auch mal Anfang zwanzig. Und ich erinnere mich noch gut an den Applaus, den ich von meinen ehemaligen Nachbarn im Erdgeschoss bekam, als meine Musikanlage ihren Geist aufgab. 

Außerdem ist mir Drum 'n Bass alles andere als fremd! Das ist genau die "Musik"-richtung zu der ich, als ich so alt war wie der neue Nachbar, jedes Wochenende mindestens bis morgens um 6 Uhr völlig ausflippte, abzappelte und jede Menge Spaß hatte. 

Heute hat sich daran fast nichts geändert. Ich flippe immer noch aus. Vor allem um 6 Uhr morgens am heiligen Sonntag. Allerdings hat das nichts mehr mit Spaß zu tun. Sonntag ist für mich der einzige Tag in der Woche, der für völlig hemmungsloses Ausschlafen reserviert wurde. Und da möchte ich in KEINEM auch nur denkbarem Fall morgens um 6 Uhr (in Worten: SECHS!! Uhr) von meinen vibrierenden Schlafzimmerwänden geweckt werden.

Und heute Morgen - nach sieben Monaten stillschweigendem Duldens - vergaß ich dann das "ach wir waren doch auch mal jung" und "sei kein Spieser"-Schöngerede und verlor die Contenance. Und zwar sowas von! 

Aufgesprungen - angezogen - die Treppe runtergerauscht und: Erstmal freundlich geklingelt. 
Natürlich bewegte sich außer den Lautsprecherboxen in der Wohnung nichts. 

Aber ich bewegte mich. Und ich kann euch sagen: Der Doc, der meine Schulter vor zwei Monaten operiert hatte, hat ganze Arbeit geleistet. Da funktioniert alles, vor allem das entschiedene Hämmern gegen eine verschlossene Tür, und zwar so deutlich, dass sogar der neue DJ-Nachbar etwas verängstigt durch seinen Türspalt schaute.

"Ist zu laut? Sorry sorry sorry!"

Sorry? Steck dir dein Sorry sonstwohin!

"Es ist SONNTAGMORGEN!! Bei dir tickts wohl nicht mehr ganz?" 

Dann ließ ich ihn stehen und stapfte wieder in meine Wohnung zurück. Und es war Ruhe. Nun hatte ich mich eingereiht in die lange Liste der Nachbarn, die sich über den DJ-Nachbarn schon beschwerten.

Und freilich war ich nun wach. Ich habe den Sonntag richtig genutzt. Schließlich hatte ich  mindestens vier Stunden gewonnen. Am Ende bin ich fast dankbar für den unerwarteten Wecker. Aber erstens nur fast und zweitens würde ich das nie zugeben.
Einen schönen restlichen Sonntag wünscht euch eure Koschka!
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